Wie gründet man einen Handwerksbetrieb?

Das Handwerk war über viele Jahre verpönt. Die Vorurteile waren vielfältig: Schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen und ein Job, den man nicht bis ins Rentenalter ausüben kann. Doch mittlerweile hört man immer öfter, dass das Handwerk goldenen Boden hat.

Der Fachkräftemangel im Handwerk sorgt dafür, dass man als Kunde kaum Termine bekommt. Die vollen Auftragsbücher sorgen im Umkehrschluss auch für steigende Preise. Mit Initiative und einem hohen persönlichen Einsatz, kann man es sogar schaffen selbst einen Betrieb zu gründen. Die Zeit ist günstig und für viele Handwerker ergeben sich neue Möglichkeiten. Was es bei einer Gründung zu beachten gibt, beleuchtet dieser Artikel.

Voraussetzungen für eine Gründung

Wer sich mit einem Handwerksbetrieb selbstständig machen möchte, muss erst einmal eine Menge Aufgaben erledigen und wird auch persönlich gefragt. Als Gründer muss man sich darüber im Klaren sein, dass viele Stunden Arbeit anfallen, die man vorher als angestellter Handwerker in der Regel nicht erledigen musste. Neben der operativen Arbeit auf der Baustelle fallen künftig zusätzlich administrative Aufgaben an. Hierzu gehört es Angebote und Rechnungen zu schreiben, Reklamationen aufzunehmen, Mitarbeiter zu führen, steuerliche Dinge zu erledigen und noch vieles mehr.

Eine gute Vorbereitung ist daher unerlässlich. Zuerst einmal gilt es zu klären, ob man einen zulassungspflichtigen oder einen zulassungsfreien Betrieb gründen möchte. Die Zulassungspflicht bezieht sich hierbei auf die sogenannte Handwerksrolle, in der alle zulassungspflichtigen Betriebe eingetragen werden. Konkret bedeutet das, wer sich beispielsweise als Maler selbstständig machen möchte, der muss einen Meistertitel vorlegen. Ohne Meistertitel ist die Gründung des Betriebes nicht möglich. Zulassungsfreie Betriebe können hingegen auch ohne Meistertitel gegründet werden. Zwei Beispiele wären hier der Uhrmacher oder der Schuhmacher.

Wer keinen Meistertitel vorweisen kann, der hat noch zwei andere Möglichkeiten zur Gründung ohne Meistertitel. Zum einen gibt es die Altgesellenregelung, welche Gesellen nach sechs Jahren die Möglichkeit der Gründung einräumt, oder man stellt einen Meister im jeweiligen Gewerk ein.

Parallel zur Eintragung in die Handwerksrolle muss sich der Selbstständige um seine steuerlichen Pflichten kümmern. Hierfür muss der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt werden. In diesem Fragebogen werden steuerliche Eckdaten durch das Finanzamt abgefragt. In der Regel erhält man in diesem Zuge auch eine neue Steuernummer und muss, wenn man schon im ersten Jahr von einem Gewinn ausgeht, entsprechende Vorauszahlungen leisten.

Eine gute Vorbereitung kann es auch sein, sich entsprechende Fachliteratur durchzulesen oder an einem Existenzgründungsseminar bei der Handwerkskammer vor Ort teilzunehmen. Viele Fragen können hier schon geklärt werden.

Finanzierung und Risiko

Damit man einen Handwerksbetrieb gründen kann, muss man meist ein hohes persönliches, aber auch finanzielles Risiko eingehen. Das finanzielle Risiko ergibt sich aus der Betriebsausstattung, die angeschafft werden muss. Hierzu gehören Fahrzeuge, eventuell Fahrzeugumbauten, Werkzeuge und auch Material, welches man in der Regel als Handwerker erst einmal vorlegt. Wer sich also selbstständig machen möchte, der sollte entweder über ein finanzielles Polster verfügen oder effektiv Kapital beschaffen. Hierzu eignen sich insbesondere diverse Förderprogramme, beispielsweise von der KFW. Aber auch manche Kommunen und Städte bieten Hilfeleistungen bei der Gründung an. Hier empfiehlt sich in jedem Fall das Gespräch mit dem Bankberater.

Wenn die Finanzierung steht, sollte man sich mit der Kalkulation beschäftigen. Hierbei können Steuerberater und Unternehmensberater eine Hilfe sein. Als Handwerker sollte man sich niemals unter Wert verkaufen und den Stundensatz so kalkulieren, dass am Ende noch ein Gewinn im Betrieb verbleibt. Viele Handwerker trauen sich nicht, angemessene Preise aufzurufen, da sie Angst haben, Kunden zu verlieren. In den meisten Fällen ist diese Angst jedoch unbegründet, da ein Fachkräftemangel vorherrscht und viele Kunden froh sind, wenn überhaupt ein Handwerker kommt. Doch nicht nur die Stundensätze muss man im Blick haben. Der Preis des Materials unterliegt ebenfalls Schwankungen, die es zu berücksichtigen gilt.

Mit Gründung eines Handwerksbetriebes muss man sich außerdem mit seinen Mitbewerbern auseinandersetzen. In vielen Regionen gibt es fast immer zu wenig Handwerker, dennoch lohnt sich ein Blick nach links und rechts, um so ein Gefühl für die Marktlage in der Region zu bekommen. Wer in einer ländlichen Gegend gründen möchte, der sollte sich überlegen, ob es sinnvoll ist der fünfte Dachdecker im Ort zu sein. Es bietet sich zudem an, Trendthemen mit aufzunehmen, da man so schnell auf sich aufmerksam machen kann. Dies könnte beispielsweise der Trend zu klimafreundlicher Energie sein. Der Betrieb wird so durch das Trendthema bekannt, was im Nachgang immer wieder zu Aufträgen führt.

Kundengewinnung und die ersten Aufträge

Wenn alle administrativen Angelegenheiten geklärt sind, geht es an die Kundengewinnung. Hierzu empfiehlt es sich, mit einer professionellen Werbeagentur zusammenzuarbeiten. Dies hat zwei Gründe: Zum einen wird der Gründer genug Arbeit mit dem operativen Geschäft seines Betriebs haben und zum Zweiten kennen sich professionelle Agenturen schlichtweg mit den Anforderungen von Kunden und Geschäftstreibenden aus. Sicherlich ist eine Werbeagentur nicht günstig, jedoch kann man auch viel Geld in Werbemaßnahmen investieren, die letzten Endes nichts bringen.

Gerade zu Beginn der Gründung sind die Aufgaben beim Marketing sehr umfassend. Als Gründer benötigt man ein ansprechendes Firmenlogo, eventuell müssen Werbemittel am Firmensitz angebracht, Fahrzeuge beklebt und es muss eine ansprechende Internetseite programmiert werden. Umso besser, wenn diese Aufgaben von Profis übernommen werden.

Vermutlich wird es nicht lange dauern, bis der erste Kunde anruft. Dann gilt für den Gründer: Professionell auftreten, sauber arbeiten und von sich überzeugen. Was viele Gründer gerade in Zeiten des Fachkräftemangels vergessen ist, dass sich Qualität dennoch durchsetzt. Wer einen Auftrag nach dem anderen vermasselt, wird auf Dauer keinen Erfolg haben.

Im Sinne des Betriebes und auch der Kunden sollte der Gründer zudem versuchen verlässliche Materialquellen zu erschließen. Je nach Größe des Betriebs kann sich ein Rahmenvertrag mit großen Zulieferern lohnen.

Fazit

Der Bedarf an guten Handwerkern ist nach wie vor vorhanden. Wer einen Handwerksbetrieb gründen kann und sich das eigenverantwortliche Arbeiten zutraut, der sollte eine Gründung ernsthaft in Erwägung ziehen. Keineswegs sollte man jedoch auf der Suche nach dem schnellen Geld fuschen und schlechte Arbeiten ausführen. Man kann davon ausgehen, dass, wenn Arbeiten nicht ordentlich erledigt werden, auch der Betrieb nicht lange auf dem Markt sein wird. Viele Handwerksbetriebe leben auch heutzutage noch von Empfehlungen. Bei schlechter Auftragsdurchführung werden diese vermutlich ausbleiben.

Trotz eines finanziellen Risikos bietet die Selbstständigkeit als Handwerker auch viele Chancen. Wer es schafft sich ein zuverlässiges Team aufzubauen, der kann seine Gewinne in der Regel schnell steigern und somit auf Grundlage seines Betriebs ein gutes Leben führen. Durch die anhaltende Digitalisierung hat sich die Arbeit in vielen Betrieben in den letzten Jahren schon deutlich verändert und viele ansonsten aufwendige Aufgaben sind mittlerweile schnell und einfach zu erledigen.