Kunststoff reparieren – Welche Möglichkeiten gibt es?

Kunststoff galt lange Zeit als Wegwerfartikel. Ging etwas aus Plastik kaputt, dann wurde nicht lange überlegt, sondern das defekte Teil einfach im Hausmüll entsorgt. Doch in Zeiten des Klimawandels und immer knapper werdender Rohstoffe überlegen viele Menschen immer öfter, ob sie nicht auch Teile aus Kunststoff selbst reparieren können, wenn diese zu Bruch gegangen sind. Zwei Möglichkeiten sind dafür besonders geeignet: Kleben beziehungsweise Erhitzen.

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Kunststoff ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken und wird auch für die Erzeugung von Spielwaren wie LEGO verwendet.

Was ist Kunststoff?

Um zu verstehen, wie Kunststoff repariert werden kann, ist es wichtig zu wissen, worum es sich eigentlich genau dabei handelt. Wie der Name bereits verrät, sind es Materialien, die in dieser Form in der Natur nicht vorkommen. Das bedeutet, sie wurden von Menschen künstlich hergestellt.

Umgangssprachlich wird Kunststoff oftmals als Plastik bezeichnet. Und aus ebendiesem Plastik werden heutzutage die unterschiedlichsten Gegenstände von Bekleidungsstücken über Verpackungen für Lebensmittel und Kinderspielzeug bis zum Abflussrohr hergestellt.

Die ersten Kunststoffe entstanden im 19. Jahrhundert und wurden damals aus Pflanzenteilen hergestellt. In der heutigen Zeit werden hingegen nahezu alle Kunststoffe aus Erdöl erzeugt.

Um einen Kunststoff herzustellen, muss die molekulare Struktur des Rohstoffs verändert werden. Das passiert im Rahmen eines chemischen Vorganges und führt je nach Form der neuen Moleküle zu Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften. Denn Kunststoff kann hart wie Stein, aber auch elastisch wie Gummi sein.

Kunststoffe belasten die Umwelt sowohl bei deren Herstellung als auch bei der Entsorgung. Für die Herstellung wird jede Menge Erdöl benötigt und es entstehen sehr viele giftige Stoffe. Wird der Kunststoff bei der Entsorgung verbrannt, sorgt das für eine zusätzliche Erwärmung des Klimas. Auf natürlichem Weg zersetzt sich das Material jedoch nicht und wird so zu einem zunehmenden Problem in den Weltmeeren.

Genau aus diesen Gründen ist es wichtig, Kunststoff nicht reflexartig wegzuwerfen, sondern zumindest in Erwägung zu ziehen, ob eine Reparatur kaputter Gegenstände möglich ist. Sehr einfach funktioniert das beispielsweise mit einem entsprechenden Kunststoffkleber.

Reparatur-Möglichkeit #1: Kunststoffkleber

Wenn Plastik kaputtgeht, dann entsteht in den seltensten Fällen ein gerader Bruch. Oftmals bricht der Werkstoff in mehrere kleine Einzelteile auseinander, von denen noch dazu einige nicht mehr aufzufinden sind. Darüber hinaus enthalten viele Kunststoffe Weichmacher oder sind mit einer wachsartigen Schicht überzogen.

Ein Alleskleber oder ein selbst hergestellter Kleber sind in solchen Fällen nicht der geeignete Klebstoff. Die Instandsetzung erfordert entsprechende Spezialmittel wie beispielsweise den HG Powerglue Kunststoffkleber. Durch die Verbindung von Granulat und Kleber gibt es beim Einsatz solcher Mittel die Möglichkeit, Löcher im Kunststoff zu reparieren und Risse zu kleben.

Im ersten Arbeitsschritt müssen die einzelnen Bruchstücke dafür gut gereinigt und anschließend mit Sandpapier etwas aufgeraut werden. Bei den meisten Kunststoffen geht das aufgrund der Weichheit des Materials sehr flott, erfordert dafür aber auch ein wenig Behutsamkeit, damit nicht zu viel Material abgeschliffen wird.

Im zweiten Schritt wird auf die Bruchstelle das Granulat und ein wenig von dem flüssigen Kleber aufgetragen und dann die einzelnen Teile wieder an ihren ursprünglichen Bestimmungsort angebracht.

Innerhalb weniger Sekunden ist die Reaktion dieser Substanzen abgeschlossen und das entsprechende Werkstück kann sofort weiterbearbeitet werden. Die Klebe- und Reparaturstellen können nun abgeschliffen und gefräst und neu übermalt werden und sind so kaum noch sichtbar. Nun kann der Gegenstand wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden.

Mit dem Kleber können nicht nur gebrochene Teile zusammengefügt werden. Mit etwas handwerklichem Geschick ist es damit auch möglich, abgebrochene Teile wie einen Teil des Kühlschrankgriffs oder eines Autoscheinwerfers nachzumodellieren.

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Mit etwas Geduld und Geschick lässt sich auch eine neue Hand für den verletzten Teddy nachmodellieren.

Reparatur-Möglichkeit #2: Erhitzung

Kunststoff hat die Eigenschaft, dass er bei großer Hitze schmilzt. Je nach Beschaffenheit des Materials ist dafür ein unterschiedlicher Hitzegrad erforderlich. Diese Eigenschaft kann sich auch bei der Reparatur von Plastik zu Nutze gemacht werden.

Ein gutes Werkzeug dafür ist ein Lötkolben. Denn mit diesem ist es sehr einfach möglich, bestimmte Stellen der Werkstücke gezielt anzuwärmen, um die einzelnen Teile so wieder miteinander zu verbinden. Sollte ein großes Stück abgebrochen und nicht mehr auffindbar sein, kann es auch durch einen anderen Kunststoff ersetzt werden.

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Mit einem Lötkolben und viel Gefühl können gebrochene Kunststoffteile wieder miteinander verbunden werden.

Idealerweise sollte es sich dabei um Material in ähnlicher Beschaffenheit wie das Ausgangsmaterial handeln. Doch grundsätzlich lassen sich alle Kunststoffe sehr einfach miteinander verlöten.

Um eventuelle Rückstände von vergangenen Lötarbeiten zu entfernen, sollte die Spitze des Kolbens vor Beginn der Arbeiten mit einem feuchten Schwamm gereinigt werden.

Das Löten selbst erfolgt genauso wie bei anderen Materialen. Statt dem Lötzinn kommt hier eben der ausgewählte Kunststoff zum Einsatz. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Temperatur des Lötkolbens bei maximal 200 bis 250 Grad Celsius liegen sollte, da Kunststoff wesentlich schneller schmilzt als andere Materialien, die sonst üblicherweise mit einem Lötkolben bearbeitet werden.

Bei der Bearbeitung wird mit der Spitze des Lötkolbens leicht über das Material gekratzt. Durch die Hitze verflüssigt der Kunststoff und wird danach sofort wieder hart. Mit dem Ergebnis, dass die Verbindung nun wieder gut zusammenhält. Damit die Schäden so unsichtbar wie möglich bleiben, sollte die Verlötung nach Möglichkeit an der Rückseite des Werkstückes erfolgen.

Um sich vor den giftigen Dämpfen zu schützen, die bei der Erhitzung des Kunststoffs entstehen, empfiehlt es sich, eine Atemschutzmaske aufzusetzen. Spätestens seit der Corona-Pandemie hat so gut wie jeder Haushalt ohnehin mehrere Masken zuhause auf Lager.

Für die Verschönerung kann die Naht auch noch abgeschmirgelt werden. Dazu empfiehlt sich die Verwendung eines feinkörnigen Papiers mit einem Körnungswert von maximal 120.