Kratzputz auftragen, streichen und ausbessern

Kratzputz auftragen
Kratzputz auftragen

Kratzputz ist in Deutschland eine traditionelle Beschichtung für Außenwände. Dieser Rauputzart wird durch eine spezielle Behandlung der Putzoberfläche eine besonders markante Struktur verliehen. Bei einem Kratzputz handelt es sich um einen dickschichtigen Putz mit grober Korngröße. Nach dem druckfesten Abbinden wird die Oberfläche mit einem Sägeblatt oder einem Nagelbrett bearbeitet. Dabei wird die Sinterschicht abgekratzt, so dass die an der Oberfläche liegenden Körner entfernt werden.


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Kratzputz Eigenschaften und Vorteile

Durch die besondere Zusammensetzung des Putzes und durch die spezielle Verarbeitung bilden sich in einer Kratzputzfassade keine Risse. Zudem kommt es durch Regen und Wind zu einem leichten Absanden, so dass Schmutzpartikel gelöst werden und der Putz sich somit selbst reinigt. Beim Verputzen wird der Sand weggekratzt, was dazu führt, das Spannungen in der Putzoberfläche, welche beim Abbinde- und Trocknungsprozess entstehen, reduziert werden. Selbst nach Jahren sind in einer fachgerecht verputzen Kratzputzfassade keine Risse sichtbar. Dieser traditionelle Putz hat sich schon seit dem 14. Jahrhundert bewährt.

Des weiteren ermöglicht der diffusionsoffene Putz einen natürlichen Feuchtigkeitsaustausch. Somit wird die Gefahr von Schimmelbildung reduziert und das Raumklima verbessert. Zudem besitzt Kratzputz eine hohe Wärmespeicherkapazität und ist sehr Schlagfest.

Die richtige Mörtelmischung für innen und außen:

Nicht jeder Putz ist gleichermaßen dazu geeignet einen Kratzputz herzustellen. In der Regel besteht ein Kratzputz  aus einer rein mineralischen Mörtelmischung. Bei dieser Mörtelmischung dienen Zement und Kalk als Bindemittel. Zudem kommt es bei diesen speziellen Putz auf die Korngröße und die Zusammensetzung der übrigen Bestandteile an. Der Mörtelmischung werden Quarzsand und kleine Steinchen mit einer Korngröße bis zu ca. 4 mm zugeschlagen. Wenn der Sand beim verputzen weggekratzt wird, erzeugen die kleinen Steinchen die typische Oberfläche des Kratzputzes.

Im Fachhandel werden Putzmischungen für innen und außen angeboten. Je nachdem wo Sie den Putz einsetzen wollen, muss die dazu passende Mörtelmischung ausgewählt werden. In der Regel wird Kratzputz als fertige Mörtelmischung angeboten, die mit Wasser angerührt wird. Seit einiger Zeit werden im Fachhandel auch gebrauchsfertige Gebinde angeboten, welche auf Silikat- oder Kunstharzbasis hergestellt sind. Diese meistens schon abgetönten Putzgebinde erzeugen zwar die selbe Oberflächenstruktur wie ein mineralischer Kratzputz, allerdings haben die diese gebrauchsfertigen Gebinde nicht alle die positiven Eigenschaften, wie ein mineralischer Putz. Daher sollten Sie sich vor dem Kauf des Putzes genau über dessen Eigenschaften informieren.

 

Kratzputz auftragen: Schritt für Schritt Anleitung

Die folgenden Materialien und Werkzeuge sind zum Auftragen des Putzes erforderlich:

Material:

  • Kratzputzmischung
  • Spachtelmasse zum Ausbessern von Rissen
  • Putzgrund

Werkzeug:

  • elektrisches Rührgerät
  • Mörtelkübel
  • Glättkelle
  • Kartätsche
  • Edelputzkratzer oder Nagelbrett
  • Handfeger

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Die Oberfläche zum Verputzen vorbereiten:

Fassade reinigen
Fassade reinigen Fotolia.de #41162400 | Urheber: TwilightArtPictures

Für den Fall, dass der Kratzputz außen aufgetragen werden soll, muss die Oberfläche zuerst von Schmutz und Moos befreit werden. Risse sollten Sie mit Spachtelmasse spachteln. Die Reinigung der Oberfläche lässt sich am besten mit einem Hochdruckreiniger bewerkstelligen. Nach dem die Oberfläche gereinigt ist, muss diese vollkommen getrocknet sein, bevor Sie mit der Arbeit fortfahren können. Anschließend sollten Sie einen Putzgrund auftragen, der gewährleistet, dass die Putzmischung optimal haftet.

Den Kratzputz auftragen:

Das Auftragen des Kratzputzes erfordert einige Erfahrung, da man den richtigen Zeitpunkt wählen muss, an dem man die Oberfläche bearbeiten kann. Zudem ist das Auftragen einer dicken Putzschicht wesentlich schwieriger als beispielsweise das Streichen eines Streichputzes.

  • Im Fachhandel wird Kratzputz als mineralisches Gebinde angeboten, dass mit Wasser angerührt wird. Teilweise wird der Putzmischung Kalkspat beigemengt, was dem Putz nach dem Abkratzen besonders edel wirken lässt.
  • Der Kratzputz wird entsprechend der Herstellerangabe mit Wasser angerührt. Zum Rühren sollte man ein elektrisches Rührgerät verwenden. Die Putzmischung wird solange gerührt, bis keine Klumpen mehr sichtbar sind und die Masse homogen ist. Dann lässt man den Putz einige Zeil lang ruhen um diesen dann nochmals mit dem Rührgerät zu mischen.
  • Nach dem Anrühren lässt man den Putz ca. 5 Minuten quellen und rührt diese anschließend nochmals durch.
Kratzputz anrühren
Kratzputz anrühren Fotolia.de #252023975 | Urheber: vaivirga

Hinweis: Je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur ist die Putzmischung ca. 45 Minuten lang verarbeitungsfähig. Danach ist die Putzmischung zu zäh und man kann diese nicht mehr verarbeiten. Deshalb sollten Sie nur soviel Putz anrühren, wie Sie auch tatsächlich verarbeiten können.


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  • Der Kratzputz kann mit einer Glättkelle, einem Fassadenspachtel oder einer Traufel aufgetragen werden. Bei größeren Flächen ist die Verwendung einer Putzmaschine empfehlenswert. Die Schichtstärke sollte ca. 1,5 cm betragen. D.h. pro Quadratmeter benötigt man ca. 3,5-4,5 kg Putz. Der Putz wird eben und glatt aufgezogen. Dazu sollten Sie eine Kartätsche verwenden. Mit den Profilen der Kartätsche lässt sich überschüssiges Material abziehen und eventuell vorhandene Unebenheiten können ausgeglichen werden.
Kratzputz auftragen
Putz auftragen Fotolia.de #249287844 | Urheber: Ingo Bartussek
  • Nachdem der Kratzputz abgebunden hat, kann dieser mit einem Nagelbrett oder einem groben Sägeblatt abgekratzt werden. In der Regel hat der Putz nach ca. 1 Tag abgebunden, so dass dieser weiter bearbeitet werden kann. Die Kunst beim Kratzputz abkratzen ist, genau den richtigen Zeitpunkt zu finden, da der Putz nicht zu weich oder zu hart sein darf. Deshalb sollte man an einer unauffälligen Stelle zuerst prüfen, ob der Putz soweit abgebunden hat, dass man diesen abkratzen kann.
  • Der Putz hat zum Abkratzen die optimale Konsistenz, wenn das aus der Oberfläche abgekratzte Korn nicht mehr man Nagelbrett oder dem Sägeblatt haftet. Um eine optimale Struktur zu erhalten führen Sie das Nagelbrett mit kreisenden Bewegungen und leichtem Druck über die Putzoberfläche. Durch diese Bearbeitung werden gröbere Stücke aus dem Putz entfernt. Achten Sie bei dieser Arbeit darauf, dass der Putz nicht zu dünn wird. Ideal ist eine Putzstärke von ca. 10 mm.

 

Den Kratzputz streichen und pflegen

In der Regel wird Kratzputz nicht gestrichen. Es stellt keinen Mangel dar, wenn sich später bei Berührung mit der Hand Körner aus dem Putz herauslösen. Das Absanden des Putzes trägt zur Selbstreinigung bei. Im Laufe der Zeit kann es allerdings dazu kommen, dass durch zu starkes Absanden kahle Stellen entstehen. Wenn man eine teure Sanierung mit neuem Kratzputz vermeiden will, so kann man diesen auch streichen.


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Folgende Punkte sollte man beim Kratzputz streichen beachten:

  • Da Kratzputz als mineralischer Putz diffusionsoffen ist, sollte man auch eine diffusionsoffene Farbe verwenden, um den Putz zu streichen. Zum Streichen hat sich Silikatfarbe oder Silikonharzfarbe bewährt, da diese Farben ebenfalls atmungsaktiv sind. Von Vorteil ist es, wenn der Farbe fungizide Wirkstoffe beigemengt sind, um der Schimmelpilzbildung vorzubeugen.
  • Eine Dispersionsfarbe sollte man nur zum Streichen des Putzes verwenden, wenn man sich ganz sicher ist, dass das Gebäude nicht unter dem fehlenden Feuchtigkeitsaustausch Schaden nimmt.

Hinweis: Durch das Auskratzen vergrößert sich die Oberfläche, so dass Kratzputz dazu neigt, Schmutz aufzunehmen. Durch das Absanden wird die Putzoberfläche zwar gereinigt, allerdings  sollte man diesen Putz im Bereich von viel befahrenen Straßen oder Industrieanlagen nicht verwenden, da die Selbstreinigung hier an Ihre Grenzen stößt.

Kratzputz ausbessern

Auch wenn die Kratzputzoberfläche sehr widerstandsfähig ist, kann es sein, dass im Laufe der Jahre schadhafte Stellen in der Oberfläche entstehen. Die schadhaften Stellen können Sie relativ einfach ausbessern. Wichtig ist, dass Sie die selbe Putzmischung zum Kratzputz ausbessern verwenden, da es ansonsten zu Unterschieden in der Oberflächenstruktur kommen kann. Beim Ausbessern des Putzes gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Den lockeren Putz schlagen Sie vorsichtig mit einem Hammer ab. Lose Putzreste entfernen Sie anschließend mit einem Handfeger und einer Bürste.
  • Nun streichen Sie die Oberfläche mit einem Tiefengrund.
  • Nach dem Trocknen des Tiefengrundes rühren Sie den Putz wie oben beschrieben an und tragen diesen entsprechend auf. Wichtig dabei ist, dass der Putz dicker aufgetragen wird, als die Umliegende Putzoberfläche. Somit haben Sie die Möglichkeit, den Putz beim Kratzen soweit abzutragen, bis dieser vollkommen nahtlos mit dem alten Putz verbunden ist.
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