Berliner Verbau / Trägerbohlwand: Herstellung und Kosten

Berliner Verbau / Trägerbohlwand
Berliner Verbau / Trägerbohlwand Fotolia.de #100907414 | Urheber: Kara

Zur Absicherung einer Baugrube stehen unterschiedliche Methoden wie eine Spundwand, eine Bohrpfahlwand oder auch ein Berliner Verbau zur Verfügung. Der Berliner Verbau auch unter dem Namen Trägerbohlwand bekannt, hat seinen Namen während des Berliner U-Bahnbaus in den 30-iger Jahren erhalten. Eine Trägerbohlwand ist eine sehr kostengünstige Methode, um eine Baugrube vor einbrechendem oder nachrutschenden Erdreich zu sichern. Mit einer Trägerbohlwand lassen sich Baugruben von mittlerer bis großer Tiefe sichern.


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Auch Baugruben mit unregelmäßigem und kompliziertem Grundriss können mit einer Trägerbohlwand wirkungsvoll gesichert werden. Der Aufbau einer Trägerbohlwand ist relativ einfach. Als erstes werden vertikale Träger aus Stahl entlang des späteren Baugrubenverlaufs bei leichten Böden eingerüttelt oder eingerammt.

Der Berliner Verbau gehört zu den biegeweichen Verbauarten. Dieser wird hauptsächlich zur temporären Baugrubensicherung eingesetzt. Diese Verbauart ist nicht wasserdicht, und kann deshalb nur dort eingesetzt werden, wo keine Anforderungen an die Dichtigkeit der Verbauung gestellt werden.

Berliner Verbau: Herstellung, Vorteile und Nachteile

Berliner Verbau Trägerbohlwand
Berliner Verbau Skizze Trägerbohlwand

Bei schweren Böden oder um Erschütterungen, die zu Bauschäden an den umliegenden Gebäuden führen können zu vermeiden, werden die Stahlträger auch häufig in verrohrte Bohrlöcher gestellt. Die Abstände der Stahlträger liegen je nach statischen Erfordernissen zwischen 1,5-2,5 Meter. Als Stahlträger eignen sich U-Profile, die mit Laschen untereinander verbunden werden oder Stahlträger vom Typ HEB bzw. HEA.


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Dann kann man mit dem Aushub der Baugrube beginnen. Die anfängliche Aushubtiefe richtet sich nach den Bodenverhältnissen. Bei sehr ungünstigen Bodenverhältnissen kann die Baugrube oft nur eine Bohlenbreite tief ausgehoben werden. Bei günstigen Bodenverhältnissen kann der Aushub über 1 Meter betragen, bevor Holzbohlen quer in die Flansche der Träger eingebracht werden müssen.

Mit Fortschreiten des Aushubs werden immer weitere Reihen von Holzbohlen eingebracht. Alternativ zu den Holzbohlen können auch Kanaldielen aus Stahl oder Fertigteile aus Beton verwendet werden. Auch Spritzbeton wird häufig zum Ausfachen der Stahltrtäger benützt. Je nach Bodenverhältnissen muss die Trägerbohlwand ab einer Tiefe von 2-4 Metern Rückverankert werden. Alternativ kann die Aussteifung auch zur gegenüberliegenden Verbauwand hergestellt werden.

D.h. es werden Bodenanker in den Rückwärtigen Erdboden verpresst, so das der Berliner Verbau gesichert wird und nicht durch die Last des rückwärtigen Erdreichs in die Baugrube einbrechen kann.


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Man unterscheidet drei Arten beim Berliner Verbau:

  • Den frei stehenden Berliner Verbau: Dieser ist für Baugruben mit nur relativ geringer Tiefe geeignet. Die Trägerbohlenwand ist hier vollkommen frei stehend ohne Abstützung und Rückverankerung.
  • Beim Rückverankerten Berliner Verbau wird die Konstruktion im rückwärtigen Erdreich mit Erdankern verankert.
  • Ein abgestützter Verbau wird dann ausgeführt, wenn eine Rückverankerung im Erdboden nicht möglich ist. Die Abstützung der Trägerbohlenwand erfolgt hier durch Stützen vom Inneren der Baugrube aus.

Ausführungsvarianten einer Trägerbohlwand:

Bei einer Trägerbohlwand werden die nachfolgenden Ausführungsvarianten unterschieden:

Der Klassische Berliner Verbau:

Berliner Verbau Skizze von oben
Berliner Verbau Skizze von oben

Der sogenannte klassische Berliner Verbau ist die am häufigsten verwendete Variante. Bei dieser Ausführungsvariante werden in der Regel IPB-Träger eingesetzt. Die Bohlen werden hier zwischen den Trägern angeordnet, wobei sich diese gegen die Trägerflansche abstützen. Die Bohlen bestehen meistens aus Holz und können, ebenso wie die Träger  nach dem Rückbau wieder verwendet werden, vorausgesetzt es besteht genügend Arbeitsraum zwischen der Trägerbohlwand und dem Bauwerk. Falls nicht genügend Arbeitsraum zwischen Bauwerk und der Bohlwand besteht, so können auch Dielen aus Beton verbaut werden. Die Betondielen können im Boden verbleiben, da diese nicht verrotten. Es werden nach Abschluss der Arbeiten nur die Verbauträger aus dem Erdreich gezogen.


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Der Hamburger Verbau:

Eine Variante des Berliner Verbaus ist ´der sogenannte Hamburger Verbau. Bei dieser Variante werden die Bohlen nicht zwischen den Trägern sondern vor den Trägern eingebaut. und mit Hakenblechen zu den Trägern rückverankert. Diese Variante wird heute nur noch selten eingesetzt.

Der Essener Verbau:

Essener Verbau Skizze
Essener Verbau Skizze

Der Essener Verbau ist dem Berliner Verbau in der Ausführung sehr ähnlich. Bei dieser Variante bestehen die Verbauträger aus zwei nebeneinander liegenden U-Profilen, welche durch Laschen miteinander verbunden werden.

Als Ausfachung zwischen den Verbauträgern kommen die folgenden Materialien bzw. Bauteile in Frage:

  • Holzbohlen (klassische Variante)
  • Betonfertigteile
  • Spunddiehlen bzw. Kanaldielen waagrecht verlegt
  • bewehrte Spritzbetonteile

Hinweis: Die Wahl des Materials für die Ausfachung ist neben statischen Anforderungen auch abhängig von der Rückbaubarkeit des Verbaus. Die Stahlträger können im Vibrationsverfahren oder in vorgebohrte Löcher (Drehbohrverfahren) eingebaut werden.

 

Vorteile des Berliner Verbau

  • Der Berliner Verbau ist im Vergleich zu einer Bohrpfahlwand relativ kostengünstig.
  • Die Trägerbohlenwand kann nach Abschluss der Arbeiten wieder abgebaut werden. Auch die Stahlträger können nach dem schrittweisen Entfernen der Ausfachungen herausgezogen werden. Nur die Erdanker verbleiben im Erdreich. Eine Wiederverwendung der Bauteile ist in der Regel möglich.
  • Eine Trägerbohlwand kann auch bei sehr komplizierten Grundrissen der Baugrube errichtet werden.
  • Eventuell erforderliche Aussparungen für Bodeneinbauten sind recht einfach herzustellen.

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Nachteile des Berliner Verbau

  • Falls in die Baugrube Grundwasser eindringt, dass aus bautechnischen Gründen nicht abgesenkt werden kann, so kann eine Trägerbohlenwand zur Absicherung der Baugrube nicht errichtet werden.
  • Der Erdboden hinter dem Berliner Verbau neigt zu Setzungen, da die Holzbohlen auf Grund der Konstruktion nicht kraftschlüssig mit dem Erdreich verbunden sind.
  • Im Bereich des Berliner Verbaus ist mit Setzungen zu rechnen, da die Bohlen in der Regel nicht kraftschlüssig gegen das Erdreich eingebaut werden können und die Stahlträger sich verformen.
  • Die Verbauart ist nicht wasserdicht.

Berliner Verbau Kosten:

Die Kosten für eine Trägerbohlwand liegen ca. zwischen 220-260 Euro pro m². Je nach Ausführung können die Kosten allerdings auch deutlich darüber liegen. In der Regel ist eine Verbauart mit Holzbohlen und Stahlträgern, welche nach Abschluss der Bauarbeiten wieder verwendet werden können am günstigsten. Auch das Herstellungsverfahren spielt bei den Kosten eine Rolle. Je nachdem ob die Stahlträger eingerüttelt oder mit Hilfe des Drehbohrverfahrens eingebracht werden, wirkt sich dies auf die Kosten aus. Auch eine eventuell erforderliche Rückverankerung der Konstruktion kann die Kosten zusätzlich erhöhen.

Das sogenannte Rammen der Träger ist ein sehr kostengünstiges Verfahren. Dieses Verfahren kann allerdings nur eingesetzt werden, wenn der Untergrund aus grobkörnigen bzw. Bindigem Boden (Sand und Kies) besteht. Bei dieser Art der Herstellung entsteht eine erhebliche Lärmbelästigung und starke Erschütterungen, welche umliegende Gebäude gefährden können.

Auch das Rütteln der Träger wird relativ häufig eingesetzt. Diese Methode ist ebenfalls recht kostengünstig. Wenn das sogenannte Vorbohrverfahren angewendet wird, können die Erschütterungen erheblich reduziert werden.

Trägerbohlwand Rückbau / Träger ziehen:

Die Ausfachung kann  während der Herstellung des Bauwerkes und der damit verbundenen Hinterfüllung der Baugrube schrittweise rückgebaut werden. Das Träger Ziehen erfolgt in der Regel nach Wiederfüllung der Baugrube.

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