Frage an erfahrene Handwerker: Warum nicht das Hobby zum Beruf machen?

Aktuell gibt es in der Koalition aus CDU/CSU und SPD erste Überlegungen, einen Teil der 2004 aufgehobenen Meisterpflicht für verschiedene Handwerksberufe wieder einzuführen. Das wurde von Sören Bartol und Carsten Linnemann unabhängig voneinander gegenüber der Redaktion „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bestätigt.
Wer also seine umfangreichen Erfahrungen als Hobbyhandwerker als Basis für den Start in eine berufliche Vollexistenz nützen möchte, sollte sich besser beeilen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass bei einer Umsetzung dieser Pläne einen Bestandschutz für bestehende Handwerksbetriebe geben wird, die nicht von einem Meister geführt werden. Die offizielle Liste der betroffenen Berufsgruppen findet sich in der Anlage B zum Paragrafen 18 der Gewerbeordnung.

Was sollte beim Start in die handwerkliche Vollexistenz beachtet werden?

Eine gute Vorbereitung ist das A und O beim Start in eine Vollexistenz. Wer noch nie etwas mit der kaufmännischen und steuerlichen Buchhaltung zu tun hatte, sollte unbedingt einen entsprechenden Kurs bei der zuständigen IHK oder Handwerkskammer belegen. Die Kosten für diese Vorbereitungslehrgänge können bei arbeitslosen Existenzgründern von den Arbeitsämtern als Förderungen übernommen werden. Doch es gibt weitere Fördermöglichkeiten, für welche der Nachweis dieser Existenzgründerschulung unverzichtbar ist. Wenn die Existenzgründer noch Arbeitslosengeld beziehen und der Anspruch noch mindestens 150 Tage umfasst kann ein Gründungszuschuss beantragt werden. Für Bezieher von Leistungen der Grundsicherung (Hartz IV) steht alternativ Einstiegsgeld zur Verfügung. Außerdem gibt es diverse Förderungen sowie KfW-Kredite für die Anschaffung der Geschäftsausstattung.

Der Aufbau eines guten Kundenstamms ist unverzichtbar!

Wichtig ist es, dass eine Existenzgründung immer auf Langfristigkeit ausgelegt ist. Das zieht die Notwendigkeit nach sich, einen soliden Kundenstamm aufzubauen. Viele Existenzgründer belohnen in der Anfangsphase ihre neuen Kunden mit kleinen Präsenten, die beispielsweise als Werbeartikel von Maxilia geordert werden können. Wer beim Start in die Selbstständigkeit hohe Neukundenrabatte gewährt, verschenkt Gewinne, die gerade in der Startphase an anderer Stelle dringend benötigt werden. Außerdem ist dabei das Risiko hoch, dass die so gewonnenen Kunden spätestens dann wieder abspringen, wenn sie die Normalpreise zahlen müssen.

Welche Werbeformen sind für künftige Handwerksbetriebe optimal?

Die Praxis zeigt, dass vor allem die Qualität, die Zuverlässigkeit und die Termintreue bei Handwerkern eine ganz entscheidende Rolle spielen. Gute Leistungen zum fairen Preis sprechen sich schnell herum. Sie sind deshalb die beste Werbung für einen neuen Handwerksbetrieb. Auf überregionale Werbung (mit Ausnahme des Internets) können Handwerker in der Regel verzichten, weil sie lediglich in einem bestimmten Umfeld tätig werden. Statt der teuren Werbung im Fernsehen mit immensen Streueffekten kommen deshalb beispielsweise lokale Tageszeitungen eher infrage. Hier sollten die Existenzgründer die Redakteure bitten, einen komplexen PR-Artikel zu veröffentlichen. Meist ist das in Kombination mit der Buchung eines Werbeplatzes möglich. Bei einem solchen Artikel kann der Existenzgründer selbst samt seinem Background und seinen Potenzialen genauer vorgestellt werden. Je mehr die potenziellen Kunden über einen Handwerker wissen, desto eher schenken sie ihm Vertrauen und erteilen ihm Aufträge.

Kooperationen sind ein wichtiges Element für langfristige Tragfähigkeit

Hobbyhandwerker, die sich entschließen, als Einzelunternehmer ohne Angestellte in eine Existenzgründung zu starten, sehen sich häufig einem Nachteil gegenüber. Sie sind nicht in der Lage, größere Aufträge auszuführen. Deshalb sollten sie in ihren Mitbewerbern keine „böse Konkurrenz“ sehen, sondern sich stattdessen mit ihnen über Kooperationen zusammentun, um auch bei Ausschreibungen für umfangreichere Aufträge eine Chance zu haben. Schlaue Existenzgründer behalten dabei nicht nur das eigene Gewerk im Auge, sondern suchen sich zusätzliche Kooperationspartner in den anderen Gewerken. Das versetzt sie in die Lage, sich auch für die Ausführung gewerksübergreifender Aufträge zu bewerben. Solche Kooperationen haben noch einen anderen Vorteil. Die beteiligten Handwerksbetriebe können sich gegenseitig empfehlen. Solche Empfehlungen sind eine gute Sache, um sehr schnell einen Kundenstamm aufzubauen, welcher den Handwerkern den zum langfristigen Überleben notwendigen Auftragsumfang garantiert. Wer solche vorbereitenden Absprachen vorweisen kann, hat auch bei der Tragfähigkeitsprüfung für die Gewährung von Fördermitteln gute Chancen.

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